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Gewerbesteuererklärung

Wer ein Gewerbe betreibt und einen bestimmten Freibetrag überschreitet, muss eine Gewerbesteuererklärung einreichen. Was Sie als Gewerbetreibender wissen müssen und hilfreiche Tipps für die Gewerbesteuererklärung.
Geschrieben von
Pauline Bodinek
Bearbeitet von
Sabine Zimmermann
Gewerbesteuererklärung
Gewerbetreibende sind zur Abgabe einer Gewerbesteuererklärung verpflichtet.Foto: iStock.com/Viorel Kurnosov

Gewerbesteuererklärung

Kapitalgesellschaften geben jedes Jahr eine Gewerbesteuererklärung ab. Bei Vorliegen eines gesondert festgestellten vortragsfähigen Fehlbetrags (Verlustvortrag) besteht die Pflicht zur Abgabe der Gewerbesteuererklärung unabhängig von der Höhe des aktuellen Gewerbeertrags (also auch unter dem Freibetrag von 24.500 €⁣ bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften) und ohne gesonderte Aufforderung durch das Finanzamt.
Maßgeblich ist der Gewerbeertrag (Gewinn + Hinzurechnungen nach § 8 – Kürzungen nach § 9). Auch bei einem Gewinn unter 24.500 € kann durch Hinzurechnungen Abgabepflicht entstehen.
Die Gewerbesteuererklärung ist für die Veranlagung der Gewerbesteuer erforderlich. Gewerbesteuern fließen den Gemeinden zu, für die diese Steuer eine wichtige Einnahmequelle darstellt.

Wer eine Gewerbesteuererklärung einreichen muss

Als Grundsatz gilt, dass jeder Unternehmer, der Gewinne erzielen will und nicht als Freiberufler gilt, der Gewerbesteuer unterliegt – die Erklärung gibt er ab, sobald sein Gewerbeertrag den Freibetrag übersteigt. Solche Unternehmer bezeichnet man als „Gewerbetreibende“, wobei die Größe des Unternehmens eine untergeordnete Rolle spielt. Gewerbetreibende können also als Ein-Mann-Betrieb agieren oder aber eine Vielzahl von Mitarbeitern beschäftigen.

Pflicht zur Abgabe einer Gewerbesteuererklärung

Die Verpflichtung zur Abgabe einer Gewerbesteuererklärung gilt für folgende Rechtsformen:

  • Kapitalgesellschaften
  • Versicherungsvereine
  • Juristische Personen des Privatrechts (sofern sie einen wirtschaftlich ausgerichteten Geschäftsbetrieb führen)
  • Juristische Personen des öffentlichen Rechts mit ihren Betrieben gewerblicher Art
  • Unternehmen, die vom Finanzamt eine Aufforderung zur Abgabe der Gewerbesteuererklärung erhalten.
  • Einzelunternehmen und Personengesellschaften ab einem Gewerbeertrag von 24.500 €.

Gewerbesteuererklärung abgeben: Darauf müssen Sie achten

Gewerbesteuererklärung
Die Abgabe der Gewerbesteuererklärung erfolgt beim Finanzamt.Foto: iStock.com/pcess609

Die Gewerbesteuer wird zwar an die Gemeinde gezahlt und von ihr eingefordert, doch die Gewerbesteuererklärung wird mit allen anderen Steuererklärungen elektronisch beim Finanzamt eingereicht.

In der Regel werden die Erklärungen für Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und Körperschaftsteuer gemeinsam vorgelegt. Die Übermittlung muss verpflichtend elektronisch und authentifiziert über „Mein ELSTER“ erfolgen.

Das Finanzamt prüft die in den Steuererklärungen angegebenen Daten und berechnet den Gewerbeertrag.

Anhand des Gewerbeertrags erstellt die Behörde den Gewerbesteuermessbescheid und schickt ihn an die Gemeinde. Diese setzt die Gewerbesteuer fest, indem sie den Gewerbesteuermessbetrag mit dem Hebesatz für die Gewerbesteuer multipliziert. So ergibt sich die Gewerbesteuer, die Sie letztlich zahlen müssen. Steht die Gewerbesteuer fest, darf sie in voller Höhe oder teilweise bei der Einkommensteuer angerechnet werden.

Ermittlung der Höhe der Gewerbesteuer

Die Berechnung der Gewerbesteuer erscheint auf den ersten Blick sehr komplex. Ausschlaggebend für die Höhe der Steuer ist der Gewerbeertrag. Er wird vom Finanzamt berechnet.

Eine wichtige Rolle spielt der Hebesatz der Gemeinde: Vereinfacht gesagt wird die Gewerbesteuer ermittelt, indem der Verlust oder der Gewinn aus dem Gewerbebetrieb um gewerbesteuerlich relevante Hinzurechnungen und Kürzungen berechnet wird. So entsteht der Gewerbeertrag vor Verlustabzug.

Info

Die Gewerbesteuer ermitteln Sie am einfachsten mit unserem Gewerbesteuerrechner.

Durch Abzug eines Verlustvortrags und des Gewerbesteuerfreibetrags in Höhe von 24.500 € ergibt sich der gekürzte Gewerbeertrag für Einzelunternehmen und Personengesellschaften. Dieser Gewerbeertrag wird mit der Steuermesszahl von 3,5 % multipliziert. Das Ergebnis ist der Gewerbesteuermessbetrag, der vom Finanzamt im Steuerbescheid aufgeführt wird. Multipliziert man den Gewerbesteuermessbetrag mit dem Hebesatz, den die Gemeinde festlegt, ergibt sich schlussendlich die zu zahlende Gewerbesteuer.

Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer

Gewerbesteuererklärung
Auch kleine Unternehmen sind nicht von der Gewerbesteuer befreit.Foto: iStock.com/SeventyFour

Vor allem für kleine Unternehmen und Gewerbetreibende in den ersten Jahren nach der Gründung kann sich aus der steuerlichen Belastung von Gewerbe- und Einkommensteuer eine hohe Zahlungsverpflichtung gegenüber dem Finanzamt ergeben. Sie könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass ein erheblicher Teil der Einnahmen für Steuerzahlungen zurückgelegt werden muss und somit für den Aufbau des Betriebs nicht mehr zur Verfügung steht.

Sie können dem entgehen, indem Sie Ihre Gewerbesteuerlast direkt bei der Einkommensteuer geltend machen. Ihre Einkommensteuer wird dabei pauschal um das 4,0-Fache des Gewerbesteuermessbetrags gemindert, höchstens aber um die tatsächlich gezahlte Gewerbesteuer. Die Anrechnung ist zusätzlich durch die anteilig auf die gewerblichen Einkünfte entfallende Einkommensteuer (Ermäßigungshöchstbetrag) begrenzt. Bei niedriger persönlicher ESt kann ein Anrechnungsüberhang verfallen.
Erfasst wird diese Anrechnung in der Anlage G Ihrer Einkommensteuererklärung. Bei Personengesellschaften wird der anrechenbare Betrag zunächst gesondert und einheitlich festgestellt (Anlage FG) und den Gesellschaftern zugewiesen, bevor er in deren Anlage G einfließt.

Tipps für die Gewerbesteuererklärung

Die Gewerbesteuer ist gerade auf den ersten Blick sehr kompliziert. Begriffe wie „Hinzurechnungen“ und „Kürzungen“, „Messbetrag“ und „Hebesatz“ können verwirren und sind gerade zu Beginn leicht zu verwechseln. Ein paar Tipps helfen, das Thema besser zu durchschauen und Fehler zu vermeiden:

  • Seit 2008 darf die Gewerbesteuer nicht mehr als Betriebsausgabe abgezogen werden, um den Gewinn zu vermindern. Die Steuererstattung selbst wird zwar außerbilanziell korrigiert, Erstattungszinsen zur Gewerbesteuer (§ 233a AO) gelten jedoch als steuerpflichtige Betriebseinnahme.
  • Wenn Sie als Gewerbetreibender eine Bilanz erstellen, müssen Sie eine Rückstellung für die Gewerbesteuer erstellen und auf der Passivseite Ihrer Bilanz aufführen. Diese Rückstellung steht für einen Aufwand aus der Gewinn- und Verlustrechnung. Sie muss dem Gewinn aus Ihrem Gewerbebetrieb außerhalb der Bilanz wieder hinzugerechnet werden.
  • Falls Sie mehrere Betriebsstätten in unterschiedlichen Gemeinden führen, müssen Sie den Gewerbesteuermessbetrag aufteilen. In diesem Fall darf jede Gemeinde nur einen Teil der gesamten Gewerbesteuer einfordern. Aufgeteilt wird der Gewerbesteuermessbetrag auf die unterschiedlichen Kommunen nach dem Verhältnis der Gehälter, die jeweils in den Gemeinden gezahlt werden. Gemäß § 31 Abs. 4 Satz 2 GewStG gilt die Deckelung von 50.000 Euro pro Arbeitnehmer für alle regulären Löhne und Gehälter. Einmalige gewinnbezogene Vergütungen (Tantiemen) fließen dagegen mit 0 Euro ein.

Wenn Sie diese Tipps beachten, vermeiden Sie unter Umständen unnötige und zeitaufwendige Rückfragen des Finanzamts, die dazu führen können, dass die Gewerbesteuererklärung und der Steuerbescheid im Nachhinein korrigiert werden müssen.

Wichtig: Es sollten die gesetzlichen Abgabefristen beachtet werden. Für Selbstersteller gilt grundsätzlich der 31. Juli des Folgejahres; bei Beratung durch einen Steuerberater verlängert sich die Frist auf den letzten Tag des Februars/Anfang März des übernächsten Jahres (§ 149 Abs. 2, 3 AO).

Häufige Fragen zur Gewerbesteuererklärung

Die Gewerbesteuer wird von Gewerbetreibenden an die Gemeinde bezahlt, in dem das Gewerbe betrieben wird. Die Höhe der Abgabe ist abhängig vom erzielten Gewinn. Die Gewerbesteuer wird als Vorauszahlung festgelegt. Die exakte Ermittlung der tatsächlichen Steuerhöhe erfolgt mit der Steuererklärung zum Abschluss des Geschäftsjahres.

Jeder Gewerbetreibende muss eine Gewerbesteuererklärung einreichen. Die Befreiung gilt nur im Regelfall. Liegt ein gesondert festgestellter vortragsfähiger Fehlbetrag (Verlustvortrag) vor (§ 25 Abs. 1 Nr. 6 GewStDV) oder verlangt das Finanzamt die Erklärung explizit (§ 25 Abs. 1 Nr. 7 GewStDV), besteht auch unterhalb von 24.500 € Gewerbeertrag eine gesetzliche Abgabepflicht.

Freiberufler sind gemäß § 2 Abs. 1 GewStG i. V. m. § 18 EStG generell nicht gewerbesteuerpflichtig.

Der Freibetrag auf die Gewerbesteuer liegt bei 24.500 Euro für Einzelunternehmen, natürliche Personen und Personengesellschaften. Vereine verfügen über einen Freibetrag von 5.000 Euro. Kapitalgesellschaften erhalten keinen Freibetrag.

Über die Autorin
Pauline Bodinek
Sabine Zimmermann Die Finanzen im Griff – von der Gründung bis zum Wachstum Sabine Zimmermann ist im Finanz-Ressort bei gruendung.de. Als Expertin für Firmenkunden-Banking und Unternehmensfinanzierung weiß... Mehr erfahren
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